Erläuterung von Flash

Flash ist Geschichte, und das ist der wichtigste Satz in diesem Eintrag. Adobe hat die Unterstützung für den Flash Player zum 31. Dezember 2020 beendet; seit Januar 2021 blockiert der Player verbliebene Inhalte von sich aus, und alle gängigen Browser haben die Plugin-Schnittstelle entfernt, über die er eingebunden war. Was hier steht, beschreibt also eine abgeschlossene Epoche der Webentwicklung.

Der Eintrag bleibt trotzdem stehen. Der Begriff taucht in alten Ausschreibungen, Handbüchern und gewachsenen Projektbeständen weiterhin auf, und an Flash lässt sich gut zeigen, warum proprietäre Plugins im Web keine Zukunft hatten.

Was Flash war

Flash war kein einzelnes Produkt, sondern drei Dinge, die häufig in einen Topf geworfen wurden.

Das Autorenwerkzeug. Ursprünglich als FutureSplash Animator entstanden, 1996 von Macromedia übernommen und 2005 mit Macromedia an Adobe gegangen. Es arbeitete mit einer Zeitleiste aus Einzelbildern und mit Vektorgrafik. Zwischenschritte einer Bewegung musste man nicht Bild für Bild zeichnen: Man legte Anfangs- und Endzustand fest, das Programm berechnete die Zwischenbilder — das sogenannte Tweening. Damit wurde Animation auch ohne Programmierkenntnisse zugänglich, und darin lag der Grund für die enorme Verbreitung.

Das Dateiformat. Aus dem Projekt (.fla) wurde eine .swf-Datei exportiert, ein kompiliertes Binärformat. Entscheidend daran: Der Inhalt lag darin nicht als Text vor, sondern als Programm.

Die Laufzeitumgebung. Der Flash Player war ein Browser-Plugin, das dieses Format ausführte. Er brachte eine eigene Skriptsprache mit — ActionScript —, mit der sich auf Maus- und Tastatureingaben reagieren, Daten nachladen und komplette Anwendungen bauen ließen. Flash selbst war also keine Programmiersprache, sondern eine Plattform, in der eine steckte. Videoportale, Browserspiele, Werbebanner, E-Learning-Module und ganze Unternehmenswebsites liefen darauf.

Warum Flash verschwunden ist

Nicht wegen einer einzelnen Entscheidung, sondern weil sich über gut ein Jahrzehnt mehrere Entwicklungen summierten.

Sicherheit. Der Player war über Jahre eine der meistausgenutzten Angriffsflächen auf Endgeräten. Eine Schwachstelle darin betraf jeden Browser auf jedem Betriebssystem gleichzeitig, und Aktualisierungen erreichten die Nutzer nur langsam.

Mobilgeräte. Apple hat Flash auf iPhone und iPad nie unterstützt und diese Entscheidung 2010 öffentlich begründet — unter anderem mit Akkuverbrauch, Stabilität und der Tatsache, dass Flash für Maus und Mauszeiger entworfen worden war, nicht für Berührung. Adobe stellte die Entwicklung des mobilen Flash Players 2011 selbst ein. Damit war ein Format, dessen Verkaufsargument die Plattformunabhängigkeit gewesen war, ausgerechnet auf den Geräten nicht verfügbar, die den Zuwachs ausmachten.

Der offene Gegenentwurf. HTML5 brachte mit <video>, <audio> und <canvas> genau die Funktionen in den Browser, für die vorher ein Plugin nötig war. Dazu kamen CSS-Animationen, SVG und WebGL für dreidimensionale Darstellung. Diese Bausteine sind Bestandteil des Browsers, standardisiert und ohne Zusatzinstallation verfügbar.

Das angekündigte Ende. Adobe hat 2017 gemeinsam mit den Browserherstellern das Auslaufdatum bekanntgegeben und damit gut drei Jahre Vorlauf gegeben. Zum Stichtag endete die Verbreitung, kurz darauf die Ausführung.

Was an die Stelle getreten ist

Für jeden Anwendungsfall, den Flash abdeckte, gibt es einen Weg über Standardtechnik:

  • Video über das <video>-Element, bei längerem Material mit adaptivem Streaming. Wie sich Bewegtbild für die Suche aufbereiten lässt, beschreibt der Eintrag zu Video SEO.
  • Interaktive Grafik und Spiele über <canvas> für zweidimensionale Darstellung und WebGL für 3D. Rechenintensive Anwendungen wie portierte Spiele-Engines nutzen zusätzlich WebAssembly.
  • Oberflächenanimation über CSS-Transitions, CSS-Animationen und SVG. Das war früher der häufigste Grund für ein Flash-Element und ist heute eine Frage von wenigen Zeilen HTML und CSS.
  • Logik und Interaktion über JavaScript, das ActionScript in jeder Hinsicht abgelöst hat.

Das Autorenwerkzeug selbst existiert weiter: Adobe hat es 2016 in Animate umbenannt; es exportiert seitdem HTML5-Canvas, Video und WebGL statt SWF. Für Archivbestände gibt es Emulatoren, die SWF-Dateien im Browser nachbilden, ohne den alten Player zu benötigen — große Spielearchive halten historisches Material auf diesem Weg zugänglich.

Warum Flash für Suchmaschinen ein Problem war

Das lässt sich in einem Satz sagen: Der Inhalt steckte in einer Binärdatei, die Suchmaschine sah nur die Einbindung.

Google und Adobe haben ab 2008 daran gearbeitet, Text aus SWF-Dateien auszulesen, und ein Teil davon funktionierte auch. Die grundsätzlichen Probleme blieben:

  • Eine vollständig in Flash gebaute Website hatte eine einzige URL. Unterseiten waren Zustände innerhalb der Anwendung; sie ließen sich weder verlinken noch einzeln in die Suchergebnisse aufnehmen.
  • Es gab keine Überschriftenstruktur, keine Absätze, keine Alternativtexte für Bilder — nichts von dem, woran eine Suchmaschine die Gliederung eines Dokuments erkennt.
  • Interne Verlinkung war nicht möglich, weil es keine Dokumente gab, zwischen denen man hätte verlinken können.
  • Screenreader kamen an die Inhalte nicht heran. Was für Suchmaschinen unsichtbar war, war es für Menschen mit Behinderung ebenfalls.

Die berüchtigte Flash-Intro-Seite verband beide Nachteile: lange Ladezeit und kein indexierbarer Inhalt. Der Quellcode einer solchen Seite bestand aus ein paar Zeilen Einbindung und sonst nichts.

Wenn noch Flash im Bestand liegt

Auf gepflegten Websites ist das Thema erledigt. In gewachsenen Beständen taucht es trotzdem auf — in alten Kampagnenseiten, in Downloadbereichen, in Schulungsmaterial auf internen Servern.

Praktisch heißt das: Einbindungen von .swf-Dateien suchen und entfernen, denn sie erzeugen im besten Fall eine leere Fläche und im schlechteren einen Layoutfehler. Seiten, deren gesamter Zweck ein Flash-Element war, gehören ersetzt oder dauerhaft auf die inhaltlich nächstliegende Seite weitergeleitet — nicht pauschal auf die Startseite. Inhalte, die es wert sind, sollten nachgebaut werden; Videomaterial lässt sich aus alten Projektdateien meist noch exportieren. Und wo eine Aufforderung steht, den Flash Player zu installieren, gehört sie weg, weil es nichts mehr zu installieren gibt.

Wer bei dieser Gelegenheit prüfen möchte, was der Altbestand sonst noch an Ballast enthält, findet den passenden Rahmen im Bereich Webentwicklung.