IP-Popularity
Die IP-Popularity beschreibt, aus wie vielen unterschiedlichen Netzbereichen die eingehenden Verweise einer Website stammen. Sie gehört zu einer Familie von Kennzahlen, die sich am besten in ihrer Abstufung erklärt:
- Link-Popularity zählt die Verweise selbst.
- Domain-Popularity zählt die verweisenden Domains — hundert Links von einer Website sind hier ein Eintrag.
- IP-Popularity zählt die Netze dahinter — hundert Domains auf demselben Server sind hier ein Eintrag.
Jede Stufe ist ein Versuch, die vorherige gegen Manipulation abzusichern. Und jede Stufe ist irgendwann selbst umgangen worden.
Woher der Begriff kommt

In den 2000er Jahren war Linkaufbau ein Geschäft mit klaren Spuren. Wer Verweise kaufte, bekam sie von einem Anbieter, und dieser Anbieter betrieb seine Linkverzeichnisse und Satellitenseiten auf einer überschaubaren Zahl von Servern. Hundert Verweise aus hundert vermeintlich unabhängigen Quellen ließen sich so auf eine einzige Adresse zurückführen.
Die naheliegende Prüfung war deshalb, die IP-Adressen der verweisenden Server zu vergleichen. In diesem Zusammenhang taucht regelmäßig der Begriff „C-Class“ auf. Er stammt aus der klassenbasierten Adressierung, die es seit der Einführung von CIDR im Jahr 1993 so nicht mehr gibt — gemeint ist in der Praxis das dritte Byte einer IPv4-Adresse. Zwei Adressen, die sich nur im letzten Byte unterscheiden, stehen häufig im selben Netzsegment.
Aus dieser Beobachtung wurde in der SEO-Literatur ein Rankingfaktor gemacht. Bestätigt hat Google das nie. Die Kennzahl stammt von Analysewerkzeugen, nicht aus der Suchmaschine.
Warum die Kennzahl heute wenig aussagt
Die technische Grundlage, auf der sie beruhte, ist weggebrochen.
Content Delivery Networks. Ein großer Teil des Webs wird heute über eine Handvoll Netzwerke ausgeliefert. Die Adresse, die eine Abfrage zurückgibt, gehört dann nicht dem Websitebetreiber, sondern dem Dienstleister — und dieselbe Adresse steht für Zehntausende völlig unabhängiger Websites. Zwei Verweise von zwei Firmen, die nichts miteinander zu tun haben, können auf derselben IP-Adresse landen.
Geteiltes Hosting ist der Normalfall. Auf einem durchschnittlichen Webhosting-Paket teilen sich Hunderte Kunden eine Adresse. Google hat mehrfach klargestellt, dass die Nachbarschaft auf einem Server kein Bewertungskriterium ist — anders wäre der Betrieb einer Suchmaschine auch kaum möglich, weil sonst der überwiegende Teil aller Websites unter Verdacht stünde.
Eine eigene IP-Adresse bringt nichts. Der Zusatzposten auf der Hosting-Rechnung hat technische Gründe, die es früher gab und die mit SNI weitgehend entfallen sind. Ein Ranking-Vorteil war nie darunter. Wovon die Auslieferungsgeschwindigkeit tatsächlich abhängt, beschreibt unsere Seite zum SSD-Webhosting.
IPv6 und dynamische Zuteilung machen die Zuordnung Adresse-zu-Betreiber ohnehin unschärfer, als sie es je war.
Was von der Idee bleibt
Der Gedanke dahinter ist nicht falsch, nur die Messgröße. Verweise aus wirklich unabhängigen Quellen sagen mehr aus als viele Verweise aus dem Umfeld eines einzigen Betreibers. Das gilt unverändert.
Nur erkennt Google solche Netzwerke längst an anderen Merkmalen — und an deutlich mehr davon:
- identische oder nah verwandte Seitenvorlagen und Navigationsstrukturen
- dieselbe Analytics-, Werbe- oder Affiliate-Kennung im Quelltext
- übereinstimmende Registrierungs- und Kontaktdaten
- gegenseitige Verlinkung nach einem erkennbaren Schema
- Inhalte, die aus derselben Quelle stammen oder maschinell variiert wurden
- Verweise, die überwiegend auf dieselbe Gruppe von Zielseiten zeigen
Ein Linknetzwerk, das auf zweihundert verschiedenen Adressen liegt, ist an diesen Punkten genauso erkennbar wie eines auf einer einzigen. Die IP-Streuung zu optimieren, löst kein Problem — sie verschiebt es an eine Stelle, an der ohnehin nicht mehr hingeschaut wird.
Die Frage der „schlechten Nachbarschaft“
Ein hartnäckiger Klassiker: Die eigene Website liege auf demselben Server wie fragwürdige Angebote, und das schade dem Ranking. Für die Websuche ist das in aller Regel kein Thema, aus dem oben genannten Grund.
Es gibt eine Ausnahme, und sie betrifft nicht die Suche, sondern die Zustellbarkeit von E-Mail. Dort ist die Reputation einer IP-Adresse eine sehr reale Größe: Versendet ein Nachbar auf demselben Mailserver Spam, landet dessen Adresse auf Blocklisten, und die eigenen Nachrichten kommen nicht mehr an. Wer regelmäßig transaktionale Mails oder Newsletter verschickt, sollte diesen Punkt bei der Wahl des Anbieters prüfen — er hat mit Suchmaschinenoptimierung nichts zu tun, kostet aber im Ernstfall mehr.
Was daraus für die Praxis folgt
Die IP-Popularity ist kein Ziel, auf das sich hinarbeiten lässt. Sie ist ein Nebeneffekt: Wer Verweise von tatsächlich verschiedenen Anbietern erhält — einem Verband, einem Fachmedium, einem Lieferanten, einer Hochschule —, hat die Streuung automatisch, ohne je eine IP-Adresse nachgeschlagen zu haben.
Was einen Verweis wertvoll macht, entscheidet sich an anderen Kriterien: thematische Nähe, redaktioneller Charakter, Platzierung, Vertrauenswürdigkeit der Quelle. Der Eintrag zu Backlinks geht sie einzeln durch, und der Beitrag über gute und schlechte Backlinks zeigt sie an Beispielen.
Wo diese Arbeit im Gesamtbild steht, beschreibt der Eintrag zur OffPage-Optimierung. Und wie Server, Adressen und Namen technisch zusammenhängen, steht im Eintrag zur Domain.