Verwendung von Überschriften beim SEO
Wozu eine Überschrift da ist, weiß jeder, der schon einmal eine Zeitung aufgeschlagen hat: Sie sagt, worum es geht, und entscheidet darüber, ob jemand weiterliest. Zwischenüberschriften machen dasselbe für Abschnitte innerhalb eines Textes.
Für die Suchmaschinenoptimierung ist daran der zweite Teil interessant. Ein Algorithmus empfindet keine Neugier, aber er kann aus einer Überschriftenstruktur ablesen, wie ein Dokument aufgebaut ist und welcher Abschnitt welches Thema behandelt. Genau dafür gibt es die Elemente <h1> bis <h6>.
Was Überschriften technisch leisten
Eine Überschrift ist kein Textformat. Das ist der Punkt, an dem in der Praxis das meiste schiefgeht: Ein <h2> ist keine Anweisung „mach das größer und fett“, sondern die Aussage „hier beginnt ein Unterabschnitt“. Wie das aussieht, entscheidet das Stylesheet, und zwar unabhängig davon.
Der Unterschied ist keine Formalität. Wer mit einem Screenreader arbeitet, springt üblicherweise über die Überschriftenliste durch ein Dokument, so wie andere über den Text scrollen. Eine Seite, deren Überschriften nur aus fett formatierten Absätzen bestehen, hat für diese Nutzer keine Gliederung – sie ist eine Textwand. Umgekehrt ist ein Dokument, in dem drei Bildunterschriften und der Newsletter-Kasten im Fußbereich als <h2> ausgezeichnet sind, eine Gliederung, die nirgendwohin führt.
Google beschreibt Überschriften in seiner Dokumentation als Hilfe, den Aufbau einer Seite zu verstehen. Das ist eine bescheidenere Formulierung als die, die man in älteren SEO-Texten findet, und sie trifft es besser: Überschriften sind kein Rankinghebel, den man auslasten kann. Sie sind die Landkarte, die man mitliefert.
Praktisch relevant ist das unter anderem, weil Google einzelne Passagen einer Seite eigenständig bewerten kann. Eine Seite, deren Abschnitte klar abgegrenzt und benannt sind, macht es leichter, den passenden Abschnitt zu einer Frage zu finden – statt die Seite als eine große, ungeordnete Textmenge zu behandeln.
Die Struktur im Quelltext
So sieht eine saubere Gliederung aus:
<h1>Ledergürtel richtig pflegen</h1>
<h2>Womit gereinigt wird</h2>
<h3>Glattleder</h3>
<h3>Rauleder</h3>
<h2>Wie oft gefettet werden sollte</h2>
<h2>Was Lederpflege nicht kann</h2>
Die Einrückung steht hier nur zur Verdeutlichung – im HTML wird nichts verschachtelt, die Elemente stehen nacheinander. Die Hierarchie entsteht allein aus den Zahlen.
Und so sieht es aus, wenn nach Optik statt nach Bedeutung ausgezeichnet wurde:
<!-- so nicht -->
<h1>Ledergürtel richtig pflegen</h1>
<h4>Womit gereinigt wird</h4> <!-- h4, weil h4 kleiner aussieht -->
<h2>Glattleder</h2> <!-- untergeordnet, aber höherrangig ausgezeichnet -->
<h2>Newsletter abonnieren</h2> <!-- gehört gar nicht zum Text -->
Beim Lesen im Browser fällt das nicht auf. In der Gliederung ist es Unsinn.
Zwei Regeln, die so nicht mehr gelten
„Ein Dokument darf nur eine h1 haben.“ Das war jahrelang Standardwissen und stimmt so nicht. HTML erlaubt mehrere <h1>-Elemente, und Google hat mehrfach erklärt, dass mehrere Hauptüberschriften kein Problem darstellen. Trotzdem bleibt genau eine <h1> die vernünftigere Wahl: Sie beantwortet die Frage, worum es auf dieser Seite geht, und diese Frage hat üblicherweise eine Antwort. Zwei gleichrangige Hauptüberschriften sind meistens ein Hinweis darauf, dass zwei Themen auf einer Seite stehen, die besser zwei Seiten wären.
„Eine übersprungene Ebene ist ungültiges HTML.“ Auch das stimmt nicht – von <h2> direkt zu <h4> zu springen ist technisch erlaubt und wird von keinem Validator beanstandet. Es ist trotzdem ein Fehler, nur eben ein anderer: Für Nutzer von Hilfsmitteln entsteht der Eindruck einer fehlenden Zwischenebene. Haltet die Reihenfolge deshalb ein, aber aus dem richtigen Grund.
Was die Menge angeht, gibt es keine belastbare Zahl. Eine Zwischenüberschrift gehört dorthin, wo ein neuer Gedanke anfängt. Wenn nach jedem zweiten Satz eine steht, gliedert sie nichts mehr, sondern zerlegt den Text. Und ganze Absätze als Überschrift auszuzeichnen, um ihre Wichtigkeit zu betonen, funktioniert nicht – dafür gibt es Hervorhebungen im Fließtext.
Überschrift, Title und Snippet sind drei verschiedene Dinge
Die <h1> ist die Überschrift der Seite. Das Title-Tag ist die Überschrift des Suchergebnisses. Beide dürfen sich unterscheiden, und oft ist das sinnvoll: Im Suchergebnis konkurriert ihr um Aufmerksamkeit, auf der Seite ist der Besucher schon da.
Wissenswert dabei: Google zieht die <h1> unter anderem dann als Titel des Suchergebnisses heran, wenn das Title-Tag ungeeignet erscheint. Eine gute Hauptüberschrift ist damit auch eine Absicherung gegen einen schlechten Titel.
Die Struktur überprüfen
Für eine einzelne Seite reicht der Browser. In den Entwicklerwerkzeugen zeigt der Bereich für Barrierefreiheit den sogenannten Accessibility Tree, in dem die Überschriften mit ihren Ebenen aufgelistet sind – dort seht ihr in wenigen Sekunden, ob die Gliederung dem entspricht, was ihr beabsichtigt habt. Ergänzend gibt es Browser-Erweiterungen, die die Überschriftenstruktur als Inhaltsverzeichnis darstellen.
Für den Bestand einer ganzen Website braucht es einen Crawler. Screaming Frog ist hier der Standard: Er sammelt <h1> und <h2> aller Seiten ein, sodass fehlende, doppelte und identische Hauptüberschriften in einer Tabelle sichtbar werden. Ältere Anleitungen empfehlen an dieser Stelle gern noch Werkzeuge, die seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt werden – Xenu Link Sleuth etwa, oder Browser-Erweiterungen für den Internet Explorer. Die könnt ihr getrost überspringen.
Worauf ihr beim Durchsehen achtet:
- Seiten ohne
<h1>oder mit mehreren gleichlautenden. - Hauptüberschriften, die auf vielen Seiten identisch sind – typisch für Shopsysteme, die den Kategorienamen überall wiederholen.
- Überschriften, die nur aus Suchbegriffen bestehen.
- Navigationselemente, Werbeflächen und Fußbereiche, die als Überschrift ausgezeichnet sind.
- Überschriften, die per CSS ausgeblendet wurden. Das ist selten Absicht, sondern meist ein Überbleibsel aus einem Theme.
Zusammenfassung
- Überschriften gliedern einen Text, sie formatieren ihn nicht. Die Auszeichnung folgt der Bedeutung, nicht der gewünschten Schriftgröße.
- Genau eine
<h1>pro Seite ist die saubere Lösung, auch wenn mehrere technisch erlaubt sind und Google damit umgehen kann. - Ebenen der Reihe nach verwenden – nicht weil ein Validator meckert, sondern weil Nutzer von Screenreadern sich daran orientieren.
- Die Anzahl richtet sich nach dem Text, nicht nach einer Faustregel.
- Struktur regelmäßig prüfen, im Browser für einzelne Seiten, mit einem Crawler für den Bestand.
Überschriften sind der Teil der Textarbeit, der sich am leichtesten prüfen und am schnellsten korrigieren lässt. Sie ersetzen aber nicht, dass der Text darunter etwas zu sagen hat – dazu passt der Beitrag dazu, wie wichtig Inhalte für ein gutes Ranking sind. Wer die Gliederung im Quellcode einer gewachsenen Website systematisch aufräumen will, findet dabei erfahrungsgemäß auch gleich die Bilder ohne Alt-Attribut. Beides gehört zum handwerklichen Teil der Suchmaschinenoptimierung.