Gute und schlechte Backlinks – und wie man sie unterscheidet
Es gab eine Zeit, in der Linkaufbau eine Mengenaufgabe war: Domainnetze anlegen, Links kaufen, platzieren, warten. Diese Zeit endete im April 2012 mit dem ersten Penguin-Update, und was seitdem passiert ist, wird in vielen Ratgebern noch immer falsch beschrieben. Deshalb zuerst die Einordnung – denn davon hängt ab, wie viel Aufwand ein Link-Audit überhaupt rechtfertigt.
Was Backlinks grundsätzlich sind und welche Eigenschaften einen wertvollen Verweis ausmachen, steht im Wiki-Eintrag zu Backlinks. Hier geht es um die praktische Frage danach: Sie haben ein Linkprofil vor sich – wie beurteilen Sie es, und was tun Sie mit dem Ergebnis?
Was Penguin heute tut – und was nicht
Die frühen Penguin-Versionen liefen als periodischer Filter über den Index. Betroffene Domains verloren Sichtbarkeit, und zwar bis zum nächsten Durchlauf, der Monate später kommen konnte. Das war der Grund für die Panik jener Jahre.
Seit September 2016 läuft Penguin in Echtzeit als Teil des Kernalgorithmus, und – das ist der entscheidende Punkt – die Reaktion hat sich umgekehrt: Statt die Zielseite abzuwerten, werden die betreffenden Links schlicht nicht gewertet. Googles Spam-Erkennung SpamBrain verfolgt bei den Link-Spam-Updates denselben Ansatz.
Praktisch bedeutet das dreierlei:
Gekaufte oder getauschte Links sind in der Regel nicht gefährlich, sondern wirkungslos. Wer dafür bezahlt hat, hat vor allem Geld verloren.
Eine schlechte Nachbarschaft im Linkprofil ist damit selten der Grund für einen Sichtbarkeitsverlust. Wenn eine Website Rankings verliert, liegt die Ursache statistisch weit häufiger bei Inhalten, technischen Änderungen oder einem Core-Update.
Gefährlich wird es dort, wo Google von systematischer Manipulation ausgeht. Dann kann eine manuelle Maßnahme folgen, und die sehen Sie im entsprechenden Bericht der Search Console. Ohne diesen Eintrag gibt es keinen Anlass, ein Linkprofil in Panik aufzuräumen.
Woran sich problematische Links erkennen lassen
Kein einzelnes Merkmal entscheidet. Was auffällt, sind Muster.
Herkunft ohne Vielfalt. Viele Links von derselben IP-Adresse oder aus demselben Netzbereich, viele Domains desselben Inhabers, dieselbe Serverkonfiguration. Warum die Verteilung der Server überhaupt eine Rolle spielt, erklärt der Eintrag zur IP-Popularity.
Seiten, die es nur für Links gibt. Artikelverzeichnisse, Linkverzeichnisse, aufgekaufte abgelaufene Domains mit Restautorität, Netzwerke thematisch beliebiger Blogs mit wöchentlichen Gastbeiträgen. Ein Merkmal, an dem sich das schnell prüfen lässt: Würde diese Seite ohne Suchmaschinen existieren?
Ankertexte, die zu genau passen. Ein natürlich gewachsenes Profil enthält Markennamen, nackte URLs, Seitentitel und beschreibende Wendungen. Wenn stattdessen ein großer Teil der Links exakt denselben kommerziellen Suchbegriff trägt, ist das ein statistischer Ausreißer.
Zeitliche Auffälligkeiten. Ein plötzlicher Zuwachs, der zu nichts passt – keine Kampagne, keine Veröffentlichung, kein Medienecho.
Platzierung. Ein Verweis mitten im Fließtext eines Artikels ist etwas anderes als einer im Footer, der auf jeder Unterseite derselben Domain wiederholt wird.
Seiten, die selbst nicht im Index sind. Wenn Google die linkgebende Seite gar nicht führt, kann von dort auch nichts weitergegeben werden.
Datenquellen für ein Link-Audit

Die erste Quelle ist der Links-Bericht in der Search Console. Er ist die einzige Liste, die von Google selbst stammt – allerdings gekürzt und nicht vollständig. Wie Sie den Zugang einrichten und die Berichte lesen, beschreibt ein eigenes Tutorial.
Dazu kommen die Datenbanken der Drittanbieter: Ahrefs, Majestic, Semrush, der Moz Link Explorer. Jeder dieser Dienste betreibt einen eigenen Crawler und sieht deshalb eine andere Teilmenge des Webs. Kennzahlen wie „Domain Authority“ oder „Trust Flow“ sind dabei Schätzungen dieser Anbieter, keine Google-Werte – nützlich für den Vergleich innerhalb eines Werkzeugs, wertlos als absolute Größe.
Kein Werkzeug kennt alle Links, die Google kennt. Eine vollständige Liste gibt es nicht, und wer eine verspricht, verkauft etwas. Was Sie tun können, ist mehrere Exporte zusammenzuführen, Duplikate zu entfernen und mit den eigenen Aufzeichnungen abzugleichen.
Ein Link, konkret bewertet
Angenommen, im Export steht dieser Eintrag: ein Link von einem regionalen Branchenverzeichnis, Ankertext „Onlineshop Regensburg günstig“, platziert in einer Liste mit vierzig weiteren Einträgen, die Seite selbst enthält außer diesen Einträgen keinen Text.
Die Einzelmerkmale sind unspektakulär, in Summe ergeben sie ein klares Bild: eine Seite, die ausschließlich aus Links besteht, ein kommerziell formulierter Ankertext, kein redaktioneller Zusammenhang. Dieser Link wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gewertet.
Und jetzt die Frage, auf die es ankommt: Was tun Sie damit? Nichts. Er schadet nicht, er nützt nicht, und die Stunde, die das Entfernen kostet, bringt an anderer Stelle mehr. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Audit von 2016 und einem von heute.
Anders sähe es aus, wenn dieselbe Konstellation hundertfach auftaucht, alle Einträge im selben Monat entstanden sind und derselbe Ankertext durchläuft. Dann geht es nicht mehr um einzelne Links, sondern um ein Muster – und um die Frage, ob Google es als aktive Manipulation liest.
Ausgehende Links richtig kennzeichnen
Den Teil, den Sie vollständig kontrollieren, vergessen viele: die Links, die von Ihrer eigenen Website ausgehen. Seit 2019 gibt es dafür drei Werte, die sich auch kombinieren lassen:
<a href="https://partner.example/produkt" rel="sponsored">Anzeige</a>
<a href="https://forum.example/beitrag" rel="ugc">Beitrag von Nutzer M.</a>
<a href="https://beispiel.example/quelle" rel="nofollow">externe Quelle</a>
sponsored kennzeichnet bezahlte Verweise, ugc nutzergenerierte Inhalte wie Kommentare und Forenbeiträge, nofollow alles Übrige, das nicht als Empfehlung gelten soll. Gleichzeitig hat Google nofollow von einer Anweisung zu einem Hinweis herabgestuft – das Attribut verhindert nicht mehr zuverlässig, dass ein Link ausgewertet wird.
Wer Werbung, Advertorials oder Affiliate-Links unmarkiert lässt, betreibt aus Googles Sicht Linkkauf – auf der ausgebenden Seite. Das ist der praktisch häufigste Fall einer manuellen Maßnahme wegen Links.
Wann das Disavow-Tool das richtige Mittel ist
Mit dem Disavow-Tool erklären Sie einzelne Links oder ganze Domains für ungültig. Die Datei ist eine schlichte Textdatei:
# Kontaktversuch an webmaster@linkverzeichnis.example am 12.03., keine Antwort
http://linkverzeichnis.example/eintrag/4711
http://linkverzeichnis.example/eintrag/4712
# vollständiges Netzwerk, Einzelaufstellung nicht sinnvoll
domain:artikelverteiler.example
Zeilen mit # sind Kommentare, jede URL steht in einer eigenen Zeile, domain: erfasst eine Domain samt Subdomains.
Der Einsatz ist an einen Anlass gebunden: eine manuelle Maßnahme wegen unnatürlicher Links, oder die begründete Erwartung einer solchen, weil in der Vergangenheit systematisch Links aufgebaut wurden. Google rät ausdrücklich davon ab, das Werkzeug vorsorglich einzusetzen. Der Grund ist naheliegend: Sie entwerten damit auch Links, die gezählt hätten, und Sie tun es dauerhaft – die Datei gilt, bis Sie sie ändern.
Wer befürchtet, dass Wettbewerber gezielt schädliche Links aufbauen, findet die realistische Einordnung im Eintrag zu Negative SEO.
Wo die Zeit besser aufgehoben ist
Ein Link-Audit ist Diagnostik, keine Optimierung. Es beantwortet die Frage, ob ein Problem vorliegt – und in den meisten Fällen lautet die Antwort nein.
Die Arbeit, die tatsächlich etwas verändert, liegt auf der anderen Seite: Anlässe schaffen, aus denen jemand freiwillig verlinkt. Eigene Daten, brauchbare Werkzeuge, Fachbeiträge mit Substanz. Dazu die Quellen, die viele Unternehmen übersehen – Branchenverbände, Lieferanten- und Partnerseiten, Fachmedien, lokale Institutionen. Wie sich das in eine OffPage-Optimierung einordnet und was es ohne technisch saubere Seiten wert ist, beschreibt unsere Leistungsseite zur Suchmaschinenoptimierung.