9 SEO Tipps für Deinen Onlineshop
Spätestens wenn im Weihnachtsgeschäft die Konkurrenz die besseren Rankings hat, fällt vielen Shopbetreibern auf, dass sie die Suchmaschinenoptimierung ihres Shops jahrelang nebenherlaufen ließen. Die organische Suche ist für die meisten Händler der größte einzelne Kanal — und der einzige, der nicht sofort versiegt, wenn das Werbebudget gestrichen wird. Umgekehrt ist er auch der, der am längsten braucht, bis Arbeit sichtbar wird.
Die folgenden neun Punkte sind die, an denen wir in Shopprojekten am häufigsten etwas zu tun finden. Keiner davon ist ein Geheimnis, aber die wenigsten Shops haben alle neun erledigt.
1. HTTPS ist Pflicht, nicht Kür
Ein Shop ohne durchgängige Verschlüsselung ist heute kein Diskussionsthema mehr. Browser markieren unverschlüsselte Formulare als unsicher, und wer Adressen und Zahlungsdaten entgegennimmt, kommt ohne TLS ohnehin nicht durch. Google behandelt HTTPS seit Langem als Rankingsignal — allerdings als ein sehr schwaches. Der eigentliche Grund für die Umstellung ist nicht das Ranking, sondern dass ohne sie ein Teil der Kunden im Checkout abspringt.
Wichtig bei der Umstellung: Jede HTTP-URL muss per 301 dauerhaft auf ihr HTTPS-Gegenstück weitergeleitet werden, interne Links, Bildpfade und Canonical-Tags müssen mitgezogen werden. Ein Shop, der beide Varianten parallel ausliefert, produziert sonst jede Seite doppelt.
2. Title, Überschriften und Meta-Description
Der Title-Tag bestimmt, welche Überschrift in den Suchergebnissen erscheint, und ist nach wie vor eines der direktesten Signale dafür, worum es auf einer Seite geht. Für Produktseiten hat sich das Muster Artikelbezeichnung, Marke, Shopname bewährt; für Kategorieseiten der Suchbegriff, nach dem tatsächlich gesucht wird. Rund 55 bis 60 Zeichen werden in der Regel angezeigt, danach kürzt Google. Und Google schreibt Titel seit 2021 auch selbst um, wenn es den eigenen für passender hält — das lässt sich nicht abschalten, aber ein präziser, nicht mit Keywords vollgestopfter Titel wird deutlich seltener ersetzt. Wie ein Title aufgebaut sein sollte, steht ausführlicher im Beitrag zum Title-Tag.
Überschriften strukturieren den Text — für Leser wie für Crawler. Eine H1 pro Seite, darunter H2 und H3 in sinnvoller Hierarchie. Kein Sprung von H1 auf H4, weil das Theme dort zufällig die richtige Schriftgröße hat.
Die Meta-Description ist kein Rankingfaktor. Sie ist ein Werbetext für die Trefferliste und entscheidet mit darüber, ob jemand klickt. Fehlt sie, baut Google sich selbst einen Textausschnitt zusammen — oft aus dem Fließtext, manchmal aus der Versandkostentabelle. Bei tausenden Produktseiten von Hand zu schreiben ist unrealistisch; sinnvoll ist eine Vorlage, die Produktdaten einsetzt, und Handarbeit für die wichtigsten Kategorien.
3. Keywords: die richtigen, nicht die meisten
Keyword-Dichte ist keine Größe, mit der Google arbeitet, und war es nie im behaupteten Sinne. Was zählt, ist, ob eine Seite die Suchanfrage tatsächlich beantwortet. Die praktische Arbeit besteht deshalb weniger darin, Wörter im Text unterzubringen, als herauszufinden, welche Seite für welche Anfrage überhaupt zuständig sein soll.
Für Shops ist der wichtigste Unterschied der zwischen Kategorie und Produkt. Nach „Wandfarbe außen“ sucht jemand, der noch keine Marke im Kopf hat — dafür ist eine Kategorieseite zuständig. Nach einer konkreten Artikelnummer sucht jemand, der weiß, was er will — dafür die Produktseite. Wenn beide auf dieselbe Anfrage optimiert werden, konkurrieren sie miteinander.
Erweiterte Suchbegriffe mit Zusatz sind dabei die dankbarsten: Sie werden seltener gesucht, aber von Leuten, die näher am Kauf stehen. Google Trends zeigt saisonale Verläufe, die Search Console zeigt, für welche Anfragen der Shop bereits ausgespielt wird, ohne geklickt zu werden — das sind meist die naheliegendsten Ansatzpunkte.
4. Eigene Texte für Kategorien und Produkte
Herstellerbeschreibungen ungefiltert zu übernehmen, ist der häufigste Fehler in Shops. Derselbe Text steht dann bei zwanzig Händlern, und Google muss entscheiden, welche Version angezeigt wird — die Entscheidung fällt selten zugunsten des kleineren Shops. Eine Strafe ist das nicht, aber die Seite ist damit praktisch unsichtbar. Was dabei technisch passiert, beschreibt der Beitrag zu Duplicate Content.
Kategorieseiten sind dabei der wichtigere Hebel. Sie ranken auf die allgemeineren Suchbegriffe, sie bekommen mehr interne Links, und sie überleben einzelne Artikel, die aus dem Sortiment fallen. Ein kurzer, konkreter Einleitungstext, der die Auswahlkriterien benennt, schlägt jeden generischen Absatz über „Qualität und Vielfalt“.
Ein Punkt, der 2018 noch keine Rolle spielte: Suchergebnisse enthalten heute KI-generierte Zusammenfassungen, die Fragen direkt beantworten. Ein Teil der Nutzer klickt danach überhaupt nicht mehr weiter. Sichtbarkeit und Klicks sind nicht mehr dasselbe. Für Shops heißt das, dass rein informierende Texte an Wert verlieren, während alles an Wert gewinnt, was nur der Shop selbst hat: eigene Fotos, echte Verfügbarkeiten, Größentabellen aus der Praxis, Bewertungen. Dazu passt, dass Google unter dem Stichwort E-E-A-T explizit nach nachweisbarer Erfahrung und Fachkompetenz hinter einem Inhalt fragt — bei einem Shop heißt das schlicht: Wer schreibt hier, und woher weiß der das?
5. Interne Links sind der unterschätzte Teil
Über externe Links wird viel geredet; die interne Verlinkung ist der Teil, den man selbst in der Hand hat. Sie bestimmt, welche Seiten der Crawler überhaupt erreicht und wie wichtig er sie einschätzt. Eine Produktseite, die nur über die Suche und drei Filterkombinationen erreichbar ist, wird entsprechend behandelt.
Praktisch heißt das: Breadcrumbs, die die Kategoriestruktur abbilden. Verweise auf verwandte und ergänzende Artikel im Fließtext, nicht nur im automatischen Karussell. Und Filter- und Sortier-URLs, die entweder per Canonical zusammengeführt oder gar nicht erst indexierbar gemacht werden — sonst frisst der Crawler tausende Varianten derselben Liste.
Bei eingehenden Links gilt das, was für alle Branchen gilt: Verweise von Herstellern, Lieferanten, Fachmedien und Verbänden sind das, was zählt. Gekaufte Links werden von Google in der Regel nicht bestraft, sondern schlicht nicht gewertet — was sie zu einer teuren Form von gar nichts macht. Der Unterschied zwischen brauchbaren und wertlosen Verweisen steht im Beitrag über gute und schlechte Backlinks.
6. Ausgelistete Produkte weiterleiten statt löschen
Wenn ein Artikel aus dem Sortiment fällt, verschwindet mit ihm eine URL, die vielleicht seit Jahren rankt und von außen verlinkt ist. Sie ersatzlos zu löschen, verschenkt beides und produziert nebenbei 404-Fehler in der Search Console.
Sinnvoll ist eine Abstufung. Gibt es einen echten Nachfolger, geht eine 301 dorthin. Gibt es keinen, aber die Kategorie besteht weiter, führt die Weiterleitung auf die Kategorie. Und wenn der Artikel nur vorübergehend nicht lieferbar ist, bleibt die Seite bestehen — mit klarem Hinweis auf die Verfügbarkeit und Alternativen darunter. Eine pauschale Umleitung aller ausgelisteten Artikel auf die Startseite ist die schlechteste Variante: Google wertet sie als Soft-404 und ignoriert sie.
7. Strukturierte Daten für Produkte
Was früher unter „Rich Snippets“ lief, heißt heute strukturierte Daten und funktioniert nicht mehr per Mausklick — den Data Highlighter der Search Console gibt es nicht mehr. Ausgezeichnet wird stattdessen im Quelltext, üblicherweise als JSON-LD nach dem Schema von schema.org.
Für Shops sind vor allem drei Typen relevant: Product mit Bezeichnung, Marke, GTIN und Bildern, Offer mit Preis, Währung und Verfügbarkeit und AggregateRating für Bewertungen, sofern es echte gibt. Korrekt ausgezeichnet, kann Google Preis, Verfügbarkeit und Bewertung direkt im Suchergebnis anzeigen — was die Klickrate spürbar verändert. Falsch ausgezeichnet, etwa mit Bewertungen ohne Grundlage, kann es eine manuelle Maßnahme nach sich ziehen. Ob die Auszeichnung sauber ist, prüft Googles Test für Rich-Suchergebnisse; die Search Console meldet Fehler laufend für den gesamten Shop.
Wichtig: Die strukturierten Daten müssen dasselbe sagen wie die sichtbare Seite. Ein Preis im Markup, der nicht dem im Warenkorb entspricht, ist kein Kavaliersdelikt.
8. Ladezeit: LCP, INP und CLS
Google misst die wahrgenommene Geschwindigkeit einer Seite über die Core Web Vitals. Das sind drei Werte: LCP für die Zeit, bis der größte sichtbare Inhalt steht, INP für die Reaktion auf Klicks und Eingaben — dieser Wert hat im März 2024 den älteren FID abgelöst — und CLS für Layoutsprünge während des Ladens.
In Shops kommen die Probleme fast immer aus denselben Ecken. Produktbilder, die in voller Auflösung ausgeliefert und erst im Browser skaliert werden; moderne Formate wie WebP oder AVIF sparen hier den größten Anteil. Nachgeladene Skripte von Bewertungsdiensten, Chat-Widgets und Trackern, die den Hauptthread blockieren. Und Banner oder Cookie-Hinweise, die ohne reservierten Platz eingeblendet werden und das halbe Layout verschieben, gerade wenn jemand schon auf einen Button zielt.
Gemessen wird mit PageSpeed Insights, das sowohl Labordaten als auch echte Nutzerdaten zeigt — die echten sind die, auf die es ankommt. Der Wiki-Eintrag zu Page Speed geht auf die einzelnen Werte genauer ein.
9. Der Bereich über der Falz
Was ohne Scrollen sichtbar ist, entscheidet, ob jemand bleibt. Auf einer Kategorieseite gehören dorthin echte Produkte, nicht ein bildschirmfüllendes Werbebanner, unter dem die Ware erst nach zwei Wischbewegungen beginnt. Auf einer Produktseite gehören dorthin Bild, Preis, Verfügbarkeit, Versandinformation und der Kauf-Button — auf dem Smartphone genauso wie am Desktop.
Das ist nur mittelbar ein SEO-Thema, wirkt sich aber über Absprünge und Layoutstabilität auf beides aus: auf die Core Web Vitals und auf den Umsatz. Der Wiki-Eintrag Above the fold beschreibt, was dabei zu beachten ist.
Womit man anfängt
Wenn nicht alles gleichzeitig geht, ist die Reihenfolge meist diese: erst die technischen Fehler beheben, die verhindern, dass Seiten überhaupt sauber in den Index kommen — Weiterleitungen, Duplikate, Filter-URLs, Ladezeit. Dann die Kategorieseiten, weil dort der meiste Suchverkehr liegt. Erst danach die einzelnen Produkttexte, von denen es die meisten gibt und die pro Stück am wenigsten bringen.
Wie das im Rahmen eines Shopprojekts zusammenläuft, steht auf unserer Seite zum E-Commerce.